Am 28. Januar ist Internationaler Datenschutztag, außerhalb Europas besser bekannt als Privacy Day. Auch wenn es nicht gerade ein berühmter Gedenktag ist, passt er doch gut in diese Zeit. Denn Datenschutz ist 2026 weder Neuland noch Selbstläufer. Er ist etabliert, teilweise routiniert – und gleichzeitig an vielen Stellen unter Druck.
Der Internationale Datenschutztag ist daher ein geeigneter Anlass, innezuhalten: Wo kommt der Datenschutz her? Welche Themen prägen ihn aktuell? Und was bedeutet das ganz konkret für Unternehmen im Jahr 2026?
Datenschutz als Schutz vor struktureller Übermacht
Der Ursprung des Datenschutztags liegt im 28. Januar 1981. An diesem Tag wurde mit der Convention No. 108 des Europarats von den damaligen Mitgliedsstaaten des Europarats erstmals ein international verbindlicher Rahmen zum Schutz personenbezogener Daten vereinbart. Ausgangspunkt war die Sorge vor Kontrollverlust durch automatisierte Datenverarbeitung und eine Reaktion auf Machtasymmetrien – zwischen Staat und Bürger, später zwischen Unternehmen und Konsumenten.
Schon damals ging es um ein zentrales Thema, das bis heute relevant ist: den Ausgleich zwischen technischen Möglichkeiten und dem Schutz der Persönlichkeit. Datenschutz war von Beginn an kein Innovationsverhinderer, sondern eine Leitplanke.
Mit der Weiterentwicklung zur Convention 108+ wurde dieser Gedanke modernisiert. Themen wie globale Datenflüsse, neue Akteure, Risikoorientierung und Verantwortlichkeit rückten stärker in den Fokus. Auch wenn heute die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Europa deutlich präsenter ist, bleibt die Convention 108+ ein wichtiger Referenzpunkt – gerade, weil sie Datenschutz als internationales Grundprinzip versteht.
Datenschutz 2026
Von der Norm zur Normalität
Acht Jahre nach Einführung der DSGVO lässt sich feststellen: Datenschutz ist in Organisationen als Thema angekommen und in den meisten davon existieren Prozesse, sind Rollen definiert, liegen Dokumentationen vor. Das bestätigen auch immer wieder Umfragen und Studien, etwa vom Digitalverband Bitkom.
Gleichzeitig beobachten wir als Experten mit langjähriger Beratungserfahrung im Datenschutz, als externe Datenschutzbeauftragte und Sparringspartner für Geschäftsführungen eine gewisse Ernüchterung. Datenschutz wird häufig als aufwendig, teuer, erklärungsbedürftig und schwer vermittelbar wahrgenommen – insbesondere dort, wo operative Realität und formale Anforderungen auseinanderlaufen.
Gerade hier zeigt sich, dass Datenschutz kein statisches Regelwerk ist und kein Zustand, den man einmal erreicht. Datenschutz lebt von Auslegung, Priorisierung und kontinuierlicher Anpassung. Wer ihn nur verwaltet, wird den Anforderungen oft nicht gerecht und verpasst Entwicklungen, die sich aus neuen Technologien und Geschäftsmodellen ergeben – aber auch aus gesellschaftlichen Erwartungen und aktuellen Gerichtsurteilen. Wer den Datenschutz hingegen überhöht, verliert schnell die Akzeptanz im Unternehmen.
Datenschutz 2026 bewegt sich damit zwischen diesen Polen – und verlangt pragmatische Lösungen, die fachlich sauber und organisatorisch tragfähig sind.
Pseudonymisierung: viel diskutiert, oft unterschätzt
Ein zentrales Thema rund um den Datenschutztag 2026 ist die Pseudonymisierung. Spätestens seit dem EuGH-Urteil vom 4. September 2025 wird sie intensiver diskutiert – nicht nur theoretisch, sondern sehr konkret in der Praxis.
Pseudonymisierung ist eine Maßnahme, um Risiken zu reduzieren und Daten dennoch nutzbar zu halten. Sie kann Innovationen in Forschung, Analyse und Marketing ermöglichen. In der Umsetzung zeigt sich jedoch, dass sie technisch anspruchsvoll und organisatorisch aufwendig ist.
Viele Unternehmen stehen vor der Frage, ob der betriebene Aufwand in einem sinnvollen Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen steht. Gleichzeitig wird deutlich, dass Pseudonymisierung ein wichtiger Baustein für datengetriebene Geschäftsmodelle und Projekte sein kann, wenn man sie richtig einsetzt. Dabei soll in Zukunft auch das Operationalisierungspapier zu Anonymisierung und Pseudonymisierung der Datenschutzkonferenz helfen, das im Rahmen des Europäischen Datenschutztages 2026 vorgestellt wird.
Nach unserer Erfahrung in der Beratungspraxis ist entscheidend oft weniger die theoretische Einordnung, sondern die konkrete Ausgestaltung – inklusive klarer Verantwortlichkeiten, Zugriffskonzepte und realistischer Erwartungen.
Datenschutz als Qualitätsfaktor
Datenschutz wird häufig als Innovationsbremser wahrgenommen. In gut aufgestellten Organisationen entwickelt er sich jedoch zunehmend zu einem Qualitätsmerkmal. Klare Datenflüsse, definierte Verantwortlichkeiten und transparente Entscheidungen zahlen nicht nur auf Compliance ein, sondern verbessern Prozesse insgesamt.
Unternehmen, die Datenschutz frühzeitig in Projekte integrieren, profitieren unter anderem von:
- klareren Entscheidungswegen,
- geringeren Reibungsverlusten zwischen Fachbereichen,
- besserer Vorbereitung auf neue Technologien sowie
- höherer Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden und Partnern.
Datenschutz wird damit Teil der Unternehmensidentität – ähnlich wie Nachhaltigkeit oder Compliance.
Typische Fallstricke zwischen Formalismus und Überforderung
Problematisch wird es dort, wo Datenschutz entweder rein formalistisch oder übermäßig abstrakt betrieben wird, beispielsweise wenn (externe oder betriebliche) Datenschutzbeauftragte als Pflichtposten gesehen werden und nicht als strategische Berater. All das führt selten zu tragfähigen Ergebnissen.
Die Folgen sind Checklisten ohne Verständnis, Dokumentationen ohne Bezug zur Praxis oder isolierte Zuständigkeiten, die zwar kurzfristig Ordnung schaffen, aber keine strukturellen Fragen lösen.
Was es braucht, ist ein realistischer Ansatz: Datenschutz als Bestandteil von Governance, Risikomanagement und Organisationsentwicklung – nicht als Fremdkörper. Wer das vor dem Hintergrund der kontinuierlichen Weiterentwicklung betrachtet, kommt um ein solides Datenschutz-Managementsystem (DSMS) nicht herum.
Datenschutz im neuen Jahr
Der Internationale Datenschutztag erinnert daran, dass Datenschutz aus konkreten Herausforderungen entstanden ist und konkrete Bedürfnisse der betroffenen Personen schützen soll. Dieses Verständnis ist auch 2026 hilfreich.
Zwischen Reformüberlegungen zur DSGVO, technischer Dynamik und wachsendem Erwartungsdruck braucht Datenschutz weniger Schlagworte und mehr Substanz, mehr Einordnung und Alltagstauglichkeit.
Für Unternehmen bedeutet das: Datenschutz bleibt eine Daueraufgabe – aber eine, die sich gestalten lässt. Mit Augenmaß, Fachlichkeit und einem klaren Blick für das Machbare.
Wenn Sie Datenschutz in Ihrer Organisation nicht nur erfüllen, sondern sinnvoll verankern möchten, begleiten wir Sie gern – strukturiert, praxisnah und mit langjähriger Erfahrung aus unterschiedlichsten Organisationen.
